Versicherungen wollen sich an Geschädigten bereichern

Eine Versicherung sollte dem Geschädigten im Ernstfall Schutz bieten. Doch sieht das in der Praxis leider etwas anders aus! In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen, mit welchen Tricks sich viele Versicherungen vor der Zahlung drücken möchten. Da auf Deutschlands Straßen täglich und tausende Verkehrsunfälle passieren, vermeiden Sie daher, auf das „Schadenmanagement“ der gegnerischen Versicherung einzugehen, welches auf Kosteneinsparung angelegt ist.

 

Auf Kosten des Geschädigten

Zuerst versuchen einige Versicherungen den Geschädigten zum schnellen handeln zu bewegen. Mit folgendem Argument gelingt es dem Versicherer meist:

Eine schnelle und direkte Schadensabwicklung über den Versicherer macht immer Sinn. Denn dadurch hält sich der Arbeitsaufwand für den Geschädigten sehr gering.

Aufgrund diesem Argument geben viele Geschädigte daher die Verantwortung ab und bemerken dabei nicht, dass Versicherer an einigen legalen Stellschrauben drehen, welche dabei nicht besonders freundlich für den Geschädigten ausfallen. Deshalb sollte sich jeder über die nachfolgenden Tricks der Versicherer im Klaren sein.

Wenn das Telefon nach einem Tag klingelt, wundern Sie sich nicht, denn das wird die gegnerische Versicherung sein. Denn die Kontaktaufnahme mit dem Geschädigten wird meist sehr schnell angestoßen. Wir garantieren Ihnen, nach diesem Beitrag lassen Sie sich nicht mehr hinters Licht führen.

 

Die Top Tricks einiger Versicherungen im Überblick

1. Ein Kfz-Gutachter beauftragen wir gerne für Sie
2. Versicherung besteht auf zweite Meinung vom Kfz-Gutachter
3. Ein Rechtsanwalt ist doch nicht nötig
4. Wir haben bereits einen Termin in der Werkstatt für Sie reserviert
5. Für Sie besorgen wir einen Mietwagen
6. Sie sind womöglich selbst Schuld am Verkehrsunfall
7. Utopische Restwertermittlung der Versicherer
8. Einwand der Versicherer beim Fahrzeugverkauf
9. Nicht plausible Kürzungen in einem Gutachten

 


 

Trick 1

Ein Kfz-Gutachter beauftragen wir gerne für Sie …

Es sind einige Fälle bekannt, indem die Versicherung einen Kfz-Sachverständigen entsendet, welcher Ihren Schaden begutachten soll. Darüber hinaus wird erwähnt, dass die Kosten eines Kfz-Sachverständigen übernommen werden. Ein solches Angebot klingt auf den ersten Blick natürlich super und fördert schnell das Vertrauen. Demzufolge beauftragt die Versicherung einen Kfz-Sachverständigen mit dem ein Kooperationsvertrag besteht. Das bedeutet, dass der Kfz-Sachverständige nicht für den Geschädigten sondern für den Versicherer handelt.

Daher ist es immer wichtig uns als freie und unabhängige Kfz-Sachverständige zu beauftragen, denn wir besichtigen & kalkulieren Ihren Schaden als neutrale Person. So entschied auch der Bundesgerichtshof in einem Urteil (Az. IV ZR 281/14). Sollten Sie eigenständig einen Kfz-Gutachter beauftragen, so müssen Sie sich um die Kosten keine Sorgen machen. Denn die entstandenen Kosten werden von der gegnerischen Versicherung übernommen. Das ist Ihr gutes Recht.

P.S. Kooperationsverträge bestehen nicht nur mit Kfz-Sachverständigen sondern auch mit regionalen Werkstätten. Siehe Trick 3.


 

Trick 2

Versicherung besteht auf zweite Meinung vom Kfz-Gutachter …

Wie oben bereits erwähnt kann der Geschädigte einen Kfz-Gutachter von dem Versicherer ablehnen. Nichtsdestotrotz versuchen einige Versicherer den Geschädigten mit folgender Begründung umzustimmen: Eine zweite Meinung wird benötigt. Sie bleiben hart und lehnen dieses Angebot ebenfalls ab, kann die Versicherung mit dem Einwand kommen, dass man sich vom Schadenersatz distanzieren möchte. Dazu sagen wir nur – das ist Quatsch!

Auch der zweite, dritte oder vierte Kfz-Gutachter, welcher von der Versicherung beauftragt wird, hat mit der Versicherung einen Kooperationsvertrag. Im Vordergrund steht immer ein Ziel: Er soll den Schaden niedriger kalkulieren, damit der Versicherer Geld spart. Wenn keine triftigen Gründe vorliegen, hat der Versicherer grundsätzlich kein Recht einen zweiten Kfz-Gutachter zu beauftragen. Im Zweifelsfall hilft immer ein Rechtsanwalt der auf Verkehrsrecht spezialisiert ist weiter. Wobei wir auch schon beim nächsten Trick 3 sind.


 

Trick 3

Ein Rechtsanwalt ist doch nicht nötig …

Zuerst möchten wir Ihnen sagen, dass die Kosten eines Rechtsanwaltes ebenfalls von der gegnerischen Versicherung übernommen werden. Daher empfehlen wir in einem Haftpflichtschadenfall unseren Geschädigten die Inanspruchnahme anwaltlicher Unterstützung. Selbst wenn es sich dabei um einen einfachen Schaden handeln sollte. Informiert man die Versicherung über sein vorhaben, wird man dies von der Versicherung zu hören bekommen:

Das sei nicht von Nöten. Zudem enstehen viel zu hohe Kosten, welche doch in einem Haftpflichtschadenfall unnötig sind. Außerdem machen Rechtsanwälte die ganze Schadenabwicklung noch viel komplizierter.

Mit anderen Worten, die Versicherung möchte sich vor den Kosten drücken.

Eine Versicherung wird sich immer gegen einen Rechtsanwalt stellen, weil dieser seine Mandanten darüber aufklärt, welche Rechte ihnen zustehen. Mietwagen, Nutzungsausfall, Schmerzensgeld, Wertminderung, Verbringungskosten und viele andere Dinge, welche dem Geschädigten und zugleich Laie nicht einfallen.

Weitere Informationen finden Sie in diesem Beitrag – Rechtsanwalt im Haftpflichtschadenfall


 

Trick 4

Wir haben bereits einen Termin in der Werkstatt für Sie reserviert …

Einige Versicherungen versuchen darüber hinaus auch das Vertrauen der Geschädigten zu gewinnen, indem Sie vorgeschlagene Werkstätten vermitteln. Im Folgenden können Sie mit solchen Aussagen der Versicherer rechnen:

Die Werkstatt arbeitet schnell und zu Ihrer Zufriedenheit. Der Service lässt keine Wünsche offen. Wir arbeiten schon lange mit diesem Vertragspartner zusammen. Wir haben nie Probleme mit dieser Werkstatt.

Stellen Sie sich lieber die Frage, warum Ihnen die Versicherung mehrere Werkstätten vorschlägt?

Ebenso wie bei der Wahl eines Kfz-Sachverständigen, besteht auch hier ein Kooperationsvertrag zwischen dem Versicherer und einer Werkstatt. Entsprechend diesem Vertrag wird die Werkstatt zwei Stundenverrechnungssätze vorhalten. Konkret heißt das, Sie gehen heute in eine kooperierende Werkstatt und lassen sich ein Kostenvoranschlag über das Erneuern und Lackieren einer Stoßstange erstellen. Dabei würden Kosten in Höhe von 700 € anfallen.

Auf dem Heimweg sind Sie in einen Verkehrsunfall verwickelt. Die Versicherung verweist Sie auf eine kooperierende Werkstatt, welche zufällig die gleiche ist, wo der Kostenvoranschlag erstellt wurde. Die Werkstatt erneuert und lackiert die Stoßstange für 500 € und rechnet mit der Versicherung gemäß Vertrag ab. Wieso hätten Sie also für die gleiche Leistungserbringung 200 € mehr bezahlen müssen?

Die Lösung ist einfach, denn bei Ihnen wird ein höherer Stundenverrechnungssatz angesetzt. Da die Versicherung überall spart, kann und wird die Werkstatt keinen großen Gewinn einfahren. Somit schadet der Geschädigte nicht nur sich selbst, sondern auch den Werkstätten, die am freien Markt weit mehr am Unfallfahrzeug verdienen würden. Der Geschädigte muss die vorgeschlagene Werkstatt des Versicherers nicht akzeptieren! Demzufolge suchen Sie sich bitte eine Werkstatt aus, der Sie auch Vertrauen können.


 

Trick 5

Für Sie besorgen wir einen Mietwagen …

Im Haftpflichtschadenfall haben Sie Anspruch auf ein Mietwagen, das ist fakt! So wird auch hier versucht Kosten einzusparen, indem ihnen ein Mietwagen zur Verfügung gestellt wird, welcher erstens günstiger ist und zweitens sich nicht in der gleichen Mietwagenklasse befindet. Daher lassen Sie sich auch hier nicht auf die Spielchen der Versicherer ein. Der Geschädigte darf sich ein Fahrzeug gemäß Gutachten (Mietwagenklasse 01 – 11) mieten. Nicht um sonst ist dieser Punkt in einem Gutachten aufgeführt und vom Kfz-Gutachter ermittelt worden.

Versicherungen sind oft der Meinung, dass ein Mietwagen die Geschädigten von A nach B bringen muss und somit ein günstigeres Fahrzeug ausreicht. Was aber wenn der Geschädigte ein selbständiger Lieferwagenfahrer ist und einen Kastenwagen besitzt und die Versicherung diesem nun einen Smart anmietet? Richtig, das kann nicht funktionieren! Bestehen Sie also auf die Art von Ersatz, denn schließlich haben Sie das Recht dazu.


 

Trick 6

Sie sind womöglich selbst Schuld am Verkehrsunfall …

Manche Versicherer ziehen alle Register um den Geschädigten weiter einzuschüchtern. Trotz eindeutiger Sachlage der Polizei am Unfallort, versucht man auf den Geschädigten einzureden, dass er doch am Unfall schuld sei. Mit anderen Worten, versucht man Ihnen eine Teilschuld aufzuerlegen, um das Gefühl der Schuld zu erhöhen. Sobald dieser Trick funktioniert hat, bedeutet das wiederum, dass die Versicherung weniger Kosten zu erstatten hat. Sofern Sie in einem Verkehrsunfall nicht Schuld sind, lassen Sie sich auch gegenüber der Versicherung auf keinen Deal ein. Verweisen Sie gleich auf einen Rechtsanwalt, welcher sich auf Verkehrsrecht spezialisiert hat umso eine Unterstellungen von sich zu weisen.


 

Trick 7

Utopische Restwertermittlung der Versicherer bei fiktiver Abrechnung …

In manchen Fällen muss beim verunfallten Fahrzeug ein Restwert eingeholt werden. Restwert ist der Wert, der bei nicht Wiederherstellung bzw. Reparatur des Fahrzeug für das objektiv verbleibende Fahrzeug am regionalen Markt zu erzielen ist. Die Ermittlung des Restwertes unterliegen bestimmter Einflussgrößen wie zum Beispiel der Marktgängigkeit eines Fahrzeuges. Versicherungen nutzen nun utopische Restwerte und bewerten das beschädigte Fahrzeug viel zu hoch und demnach fern ab der Realität. Denn je höher der Restwert ist, desto geringer ist der Auszahlungsbetrag für die Versicherung. Der Grund ist einleuchtend, oder? Wenn nicht, haben wir ein kleines Beispiel für Sie:

Ihr Fahrzeug hat ein Wert von 7000 €. Die Reparaturkosten belaufen sich auf 6500 €. Nach einem Unfall wird ein Restwert von 1000 € notiert. Demnach muss die Versicherung 6000 € anstatt 6500 € an den Geschädigten ausgleichen. Sollte die Versicherung nun einen utopischen Restwert heranziehen, der nicht 1000 € beträgt sondern 3000 €, muss die Versicherung dem Geschädigten sodann nur noch 4000 € bezahlen, wenn man von dem gleichen Fahrzeugwert (7000 €) ausgeht.

Sie sehen, wie die Versicherung versucht an jeder Stellschraube zu drehen, damit der Geschädigte hintergangen wird. Stellen Sie sich mal vor, wenn eine Versicherung bei jedem Schaden 2000 € weniger bezahlen muss, welcher Millionengewinn am Ende des Geschäftsjahr sich für die Versicherung ergibt.


 

Trick 8

Einwand der Versicherer beim Fahrzeugverkauf …

Das Fahrzeug wird aufgrund eines eingetretenen Totalschaden verkauft. Dieses Recht steht Ihnen selbstverständlich und im uneingeschränkten Maße zu!

Nehmen wir mal an, dass Ihr Fahrzeug einen Wert von 7000 € hat. Nach dem Unfall werden in einem Gutachten 4 Restwertangebote aufgeführt:

  • 2000 €
  • 1800 €
  • 1500 €
  • 1000 €

Sie verkaufen das Fahrzeug nun an den Höchstbietenden Aaufkäufer für 2000 €. Hierzu muss Ihnen die Versicherung die Differenz Wert 7000 € – Restwert 2000 € = 5000 € erstatten. Dennoch wenden einige Versicherungen einen Trick an, mit dem Sie niemals rechnen werden.

So behaupten einige Versicherer glaubhaft, dass sie für das Fahrzeug einen Restwert von 3000 € erzielt hätten. Somit wird der Auszahlungsbetrag geschmälert und müssten demnach nur 4000 € anstatt 5000 € an den Geschädigten erstatten.

Daher folgendes Argument der Versicherung:

Für das verkaufte Fahrzeug hätten wir einen höheren Preis erzielen können. Ferner sind Sie dafür verantwortlich und erhalten somit einen verminderten Auszahlungsbetrag von uns.  

Wir können Sie beruhigen, denn wenn ein Gutachten vorliegt hat die Versicherung keine Chance und muss den regulären Wert ohne Abzüge ausgleichen. Sollten Sie ohne rechtliche Unterstützung ins Rennen gehen, so haben Sie kaum Chancen gegenüber der Versicherung.


 

Trick 9

Nicht plausible Kürzungen in einem Gutachten …

Die gegnerische Haftpflichtversicherung nimmt gerne einige Kürzungen im Gutachten vor. Einige davon möchten wir Ihnen werden hier kurz erläutern.

 

UPE-Aufschläge:

Es sind die sogenannten Aufschläge auf die unverbindlichen Preisempfehlungen für Ersatzteile, die aufgrund der Lagerung von Ersatzteilen aufgeschlagen werden. Somit wird auch der damit erbrachten Aufwand für das Invorrathalten von den Ersatzteilen abgegolten. Folglich wird durch das vorhalten von Ersatzteilen eine zeitliche Reparaturverzögerung vermieden. In jedem Fall sind die UPE-Aufschläge durch die Versicherung bei einem Reparaturweg zu übernehmen. Nach der herrschenden Meinung sind die UPE-Aufschläge auch bei einer fiktiven Abrechnung durch den Versicherer zu ersetzen.

 

Verbringungskosten:

Die Verbringungskosten entstehen, wenn die Fachwerkstatt über keine eigene Lackiererei verfügt und es daher eine Verbringung zum Lackierer erforderlich ist. Der Geschädigte darf im Rahmen seiner Dispositionsfreiheit frei entscheiden, ob er die Lackierarbeiten im Zuge der Reparatur selbst durchführen möchte. Die dafür anfallenden Kosten stellen einen erforderlichen Aufwand zur Schadensbeseitigung dar und sind auch bei fiktiver Abrechnung zu ersetzen.

 

Kleinersatzteile:

Nicht gerechtfertigt ist auch, dass Aufschläge für Kleinersatzteile durch den Haftpflichtversicherer gekürzt werden. Einige Gerichte teilen die Auffassung, dass der Verbrauch entsprechender Kleinteile sowie notwendiger Flüssigkeiten im geringfügigen Umfang pauschal abgerechnet werden. Eine exakte Verbrauchserfassung stehen in keinem Verhältnis zum Wert.

 

Fehlerspeicher auslesen:

Haftpflichtversicherungen streichen im Gutachten gerne den Posten – Fehlerspeicher auslesen. Auch hier ist dies ebenfalls nicht gerechtfertigt. Aufgrund unfallbedingte Eingriffe wie z. B. das Ersetzen eines Einparksensor, wo es zwingend erforderlich ist, eine Fehlerdiagnose durchzuführen. Da diese Fehler im Steuergerät gespeichert werden und nicht mittels Warnleuchten im Fahrzeug angezeigt werden, können weitergehende Fehler erkannt, gelöscht oder zurückgesetzt werden. Heutzutage wird in jeder Werkstatt der Fehlerspeicher ausgelesen, sodass hier auf jeden Fall die genannten Kosten für den Geschädigten entstehen würden.


Wir sind Ihr Kfz-Sachverständiger im Schadenfall!

Tel.: 07161 / 508 408 0

Vermeiden Sie Fehler

Im Kraftfahrzeugbereich und ganz speziell bei einem Unfall, werden viele Fehler gemacht! Wir klären Sie regelmäßig auf, damit Ihnen diese Fehler nicht passieren.